Theoretisches

Wie schon in der Darstellung des therapeutischen Angebotes erkennbar ist, wird psychische Symptomatik (Ängste, Depressionen, psychosomatische Störungen u.a.) als ein Lösungsversuch eines unbewussten Konfliktes verstanden. Z.B. können rational unsinnig erscheinende übertriebene Ängste, sich anzustecken oder sich mit HIV zu infizieren ein Hinweis sein auf eine unbewusste Abgrenzungsproblematik bei einer Lebensgeschichte, in der beide Eltern auf ihre Art übergriffig waren, die Mutter mehr in einer überbesorgten, überbehütenden Art, der Vater mehr in einer aggressiven. Der Konflikt ist in dem Fall nicht bewusst, und es bedarf einer rekonstruierenden, Zusammenhänge (wieder) herstellenden psychotherapeutischen Arbeit, um zunächst einmal zu erahnen, wofür die Symptomatik steht und später in der Therapie alternative Lösungsformen zu entwickeln (im genannten Beispiel: Abgrenzung zu „lernen“). Warum ist der Konflikt unbewusst ? Der aktuelle Konflikt (in unserem Beispiel könnte das die Ablösung vom Elternhaus sein, der Schritt in die vollständige Selbständigkeit) aktualisiert unbewusst (!) alte „Wunden“, die mit eben dieser Problematik verknüpft sind (in unserem Beispiel könnte das die Ohnmacht sein, die sich emotional allmählich einstellte gegenüber den unterschiedlichen Arten der Übergrifflichkeit der Eltern) und das Seelische fällt auf einer nicht bewussten Ebene die „Entscheidung“, dass solch eine Problematik „unlösbar“ ist bzw. nur durch ein Symptom gelöst werden kann. Dieses Symptom ist in der Regel ein Kompromiss der widerstreitenden Strebungen; in unserem Beispiel: Durch seine HIV- und Ansteckungsängste ist der junge Mann nicht in der Lage, seine sozialen Kontakte und die Anforderungen des Studiums so zu realisieren, dass er sich vom Elternhaus lösen könnte.

Anders, als es das verkürzte und vereinfachte Fallbeispiel glauben machen könnte, ist Psychotherapie aber nicht das Lösen eines einzigen Grundkonfliktes. Vielmehr sind viele derartige Konflikte und problematische Muster zu seelischen Komplexen verbunden, die es in ihrer Gesamtkonstellation zu verändern gilt. Deswegen ist Psychotherapie immer etwas, das seine Zeit braucht. Kluge Deutungen und überraschende Erkenntnisse allein – wie bei den derzeit modischen „Familienaufstellungen“ – bewirken kaum etwas oder schaden sogar, wenn sie nicht „durchgearbeitet“ (FREUD) , d.h. in immer weitere Zusammenhänge gebracht werden.

Derartige auf unbewussten seelischen Zusammenhängen basierende psychologische  „Erklärungen“, die man dem Pat. nicht gibt, sondern die es gemeinsam zu erarbeiten gilt, wurden zunächst in der von Sigmund FREUD (1856 – 1939) entwickelten „Psychoanalyse“ gefunden. Die Psychoanalyse ist inzwischen eine für Außenstehende kaum überschaubare Forschungs-, Erklärungs- und Behandlungsmethode, die schon während und vor allem nach FREUDs Lebenszeit zahlreiche Verzweigungen und „Schulen“ entwickelte. Auch die Entwicklung eines Konzeptes für eine analytisch bzw. tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie ist eine derartiger „Zweig“ in der Entwicklung der Psychoanalyse. Meiner Meinung nach ist nicht so sehr die Festlegung auf eine psychoanalytische „Schule“ für einen tiefenpsychologisch fundiert arbeitenden Therapeuten hilfreich, sondern eine möglichst breite und gute Kenntnis der gesamten Entwicklung der Psychoanalyse, ihrer verschiedenen Schulen und ihrer unterschiedlichen Perspektiven.

Andere psychotherapeutische Richtungen wie die ´Systemische Psychotherapie´ und die ´Familientherapie´ können die von der Psychoanalyse gelieferten Perspektiven vervollständigen und ergänzen. Durch Ausbildungen in diesen Richtungen bin ich auch zur Durchführung von Paar- und Familientherapien in der Lage. Derartige Behandlungen werden aber nicht von der Krankenkasse finanziert. Anders ist es beim  Einbezug des Partners im Rahmen einer Einzeltherapie, was eine zulässige Möglichkeit im Rahmen einer kassenfinanzierten Therapie ist.

%d Bloggern gefällt das: